Starke Dürener gegen viele Hände
16.04.10
Der Wunsch, am Freitag das vierte Halbfinalspiel gegen Haching in Düren zu sehen, war bei allen Moskitos stark ausgeprägt. Einige von ihnen fuhren am Mittwoch sogar mal eben in den Süden der Stadt München, um aktiv an der Verwirklichung des Wunsches mitzuwirken.
Die Zeichen waren schwer zu deuten. Auf dem Weg nach Unterhaching begann es hundert Kilometer vor München an zu regnen. Ein schlechtes Omen – für wen? Im Restaurant Kammerloher mutierte ein Stück Fleisch auf dem Teller des DZ-Reporters Franz Sistemich zum kleinen Elend. Ein Vorbote für drohendes Unheil? Der Ballkorb, aus dem sich unsere Mannschaft beim Einspielen bediente, war mit „Damen 1“ beschriftet, obwohl Sven Anton im Gespräch mit dem Hallensprecher kein allzu großes Interesse an der weiblichen Bundesliga zeigte. Waren wir hier im falschen Film? Es war jedenfalls eine Aufführung ohne Happy-End.
Alle Bemühungen auf und neben dem Spielfeld waren am Ende vergeblich. Ein Dürener Angriff krachte in den Hachinger Block und von dort auf den Boden. Damit verwandelten die Gastgeber den Matchball und gewannen die Begegnung mit 3:1 und das Halbfinale insgesamt mit 3:0. Wir mussten uns mit der Erkenntnis anfreunden, dass es am Freitag in unserer Arena kein Volleyballspiel mehr gibt. Trommeln, klatschen und anfeuern können wir in der Bundesliga erst wieder Ende Oktober. Die aktuelle Saison ist aus und vorbei für evivo. Haching trifft im Finale mal wieder auf Friedrichshafen, the same procedure as last year. Die Titelsammlung der Dürener Volleyballer bleibt ein unbeschriebenes Blatt. Depressionen und Ärger nach dem Spiel? Nicht vorhanden, weil wir mit dem zufrieden sein können, was wir in dieser Saison erreicht haben. Ein anderes Wort dominierte die Gedanken am Mittwochabend: Schade.
Schade, dass die ansehnliche Leistung unserer Jungs nicht belohnt wurde. Schade, dass sie sich gegen die Hachinger nicht oft genug durchsetzen konnten. Menschen mit mehr als zwei Armen gibt es eigentlich nur in Fantasy-Geschichten. Aber die Spieler des Generali-Teams schienen ebenfalls über zusätzliche Arme zu verfügen. Egal, wohin unsere Spieler die Bälle schlugen, ständig war eine gegnerische Hand dazwischen und verhinderte die verdienten Punktgewinne für evivo. Die omnipräsenten Hachinger, die zuvor bereits im Pokalfinale und letzten Samstag nach zwei verlorenen Sätzen noch 3:2 gegen uns gewonnen hatten, ließen sich vom deutlichen Ergebnis im zweiten Durchgang nicht beeindrucken. Unsere Jungs leisteten Widerstand und kämpften gegen das drohende Aus. Doch die Gastgeber waren in den entscheidenden Aktionen erfolgreicher und glücklicher. Im großen Duell dieser Saison triumphierte Haching nach den ersten beiden Niederlagen viermal in Folge. Als Belohnung dafür gab es den DVV-Pokal und den Einzug ins Finale um die Meisterschaft. Wir können immerhin das Pokalfinale und den dritten Platz in der Bundesliga notieren. Auch keine schlechte Bilanz.
Vor Schließung der Theke noch ein Bier und ein geschenktes Brötchen verzehren, in der Tiefgarage das komplette Fan-Zubehör wieder ins Reporter-Auto einladen, den Spielort verlassen, in der Autobahn-Raststätte die letzten 50-Cent-Gutscheine einlösen, um vier Uhr morgens in Düren ankommen. So endete die letzte Auswärtsfahrt der Moskitos in dieser Saison. Nach der Sommerpause reisen wir erneut durch die Republik. Wir werden uns wieder evivo-Siege wünschen und dafür unzählige Kilometer zurücklegen. So wie die vier positiv bekloppten Moskitos am Mittwoch in Haching.
- Markus Schnitzler -