Es folgt eine Bestandsaufnahme
13.10.08
13.10.2008
-Heimniederlage gegen KW
-Denkbar knapper Auswärtssieg in Spergau
-Erkämpfter Heimsieg gegen Wuppertal
Das klingt irgendwie nicht nach evivo düren, finden viele. Souverän sollen die Jungs sein, allen anderen Mannschaften (außer dem VfB) überlegen. Schließlich haben wir einen neuen Trainer, fünf neue Spieler. Aber da klappt ja noch gar nichts! Die Rufe werden laut, in der Halle höre ich hinter mir Kritik an einzelnen Spielern, den Wunsch nach vergangenen Jahren. Dabei sollte uns allen klar sein, dass wir nie nach vorne kommen, wenn wir nur nach hinten sehen.
Es folgt eine Bestandsaufnahme.
Für die Überraschungen des Saisonbeginns haben ganz klar Sven Dick, Felix Isaak und Sebastian Kühner gesorgt. Horst avanciert zum zuverlässigen Punktesammler, Felix spielt trotz seiner erst neunzehn Lenze abgeklärt wie ein alter Hase, Basti zieht mit erst 21 Jahren das Spiel flexibel, mit Feingefühl und gutem Auge auf.
Auch Alexander Mayer, Niklas Rademacher und Jeff Weiler haben sich integriert. Alex hat in der Vorbereitung, als Heriberto verletzungsbedingt passen musste, gezeigt, dass er eine echte Alternative auf Diagonal ist. Etwas, das vielen Zuschauern nicht bewusst ist, weil sie die Vorbereitung nicht so intensiv verfolgt haben. Aber etwas, das man auch mal sagen muss. Nik hat eine gute Vorbereitung hinter sich, fühlt sich in Düren wohl, mag seinen Job. Dass das erste Heimspiel in die Hose gegangen ist, war bei ihm Kopfsache. Zuviel über Fehler nachgedacht, dazu wegen der ungewohnten Kulisse nervös, da ging dann nichts mehr. Gegen Wuppertal sah das schon anders aus, da hat man auch gesehen, dass er mit seiner emotionalen Art einen positiven Effekt auf Mannschaft und Publikum ausüben kann. Jeff hat das schwerste Los aller Neuzugänge. Er ist als Libero gesetzt und muss sich nun vom Volleyballpublikum mit Till Lieber vergleichen lassen, der enorm große Fußstapfen hinterlassen hat. Vielleicht wird Jeff niemals in diese Fußstapfen hineinwachsen. Sicher ist, dass er zurzeit das Niveau Tills (noch) nicht hat und mit der Haltung sollten wir uns sein Spiel ansehen. Ihm unterlaufen Fehler, er ärgert sich darüber am meisten. Doch ein Spieler trägt weit mehr zu einer Mannschaft bei als nur die Leistung auf dem Feld, etwas, das wir als Zuschauer gar nicht so wahrnehmen: Menschlichkeit, Spaß an der Sache, Humor, gute Trainingsleistungen, Motivation. Letztlich wird er an seiner Leistung in den Spielen gemessen. Da ist derzeit Luft nach oben. Hier heißt das Schlüsselwort: Geduld.
Die altbekannten Spieler finden sich in dieser Saison in neuen Situationen wieder. Heriberto, der im Spiel gegen Wuppertal auf einmal zum Animateur wird. Ilja, der seine Aufgabe als Kapitän der Mannschaft bravourös meistert. Malte, der kurz vorm Examen steht und die Perspektive hat, nur Volleyball spielen zu können. Tim, im Augenblick wieder Stammspieler. Raka, der weiß, dass Felix ihn oder Malte ersetzen kann, wenn es nicht läuft.
Eine Garantie auf den Stammplatz hat in diesem Jahr keiner. Also wird hart trainiert, fokussiert gearbeitet und miteinander gesprochen. Und das sind Dinge, die nicht jeder Zuschauer, der zu einem Spiel kommt, weiß. Nur wenige Fans haben ein Vorbereitungsspiel gesehen oder haben das Glück, einem Training beizuwohnen. Denn da wurde, da wird immer wieder klar: Das sind nicht dreizehn Spieler und ein Trainer. Das ist eine Mannschaft, die harmoniert, die zusammen trainiert, spielt, siegt, verliert. Mit Sven, für Sven. Dass der Anfang nicht optimal war, wissen die Jungs selber. Aber sie haben eine Gewissheit: Wir können mehr. Wir sind noch lange nicht da, wo wir hinkommen können. Wir brauchen Zeit, brauchen Spiele, um eine Routine zu entwickeln, auch wenn wir etablierte Spieler haben.
Für uns auf den Rängen heißt das, dass wir ihnen die Zeit geben sollten und nicht nach drei Spielen vorschnelle Schlüsse auf den Rest der Saison ziehen sollten. Vertraut euren Sitznachbarn, die vielleicht ein oder zwei Spiele mehr gesehen haben, die vielleicht die Jungs auch abseits des Feldes erleben, die sehen, wie man in der Mannschaft miteinander umgeht. Schaut euch die Ergebnisse anderer Mannschaften an, schaut euch an, was sich in der Liga tut.
Und dann überdenkt die Ansprüche, die ihr habt, tauscht sie gegen die Ansprüche, die der Trainer und das Team an sich selbst haben. Guten Volleyball spielen, mit erhobenem Haupt aus der Arena gehen, auch wenn es mal nicht zu einem Sieg reicht, weiter an sich arbeiten, sich stetig verbessern.
Egal, wo ihr ein Spiel der Jungs seht: Zeigt ihnen, dass ihr da seid, dass ihr hinter ihnen steht. Ihr würdet euch wundern, welchen Effekt das manchmal haben kann. Schimpfen, meckern, motzen, das können wir nach dem Spiel noch genug, wenn es sein muss. Gerade dann, wenn’s unten klemmt, kann von den Rängen der nötige Funke kommen. Wir als Halle für die Mannschaft. Denn die Mannschaft spielt auch für uns. Rottenburg, wir kommen!
Meike Bergs